Bierwirth & Kluth
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Zuwanderung und die Hotellerie/Gastronomie

„Es gibt doch nichts, was so schlecht ist, dass es nicht für irgend etwas gut ist“ – alte Volksweisheit.

Und so vermag ich gar der von der CSU angezettelten Debatte über die Zuwanderung unerwünschter Bevölkerungskreise aus EU-Nachbarstaaten sogar noch etwas Positives abzugewinnen. Nicht dass wir uns missverstehen: was wir brauchen wie ein Loch im Kopf ist eine weitere Ausländerdebatte und Argumente für Rechtsradikale. Was wir aber auch nicht brauchen, ist das einfache Negieren von realen und offensichtlichen Problemen, das Wegschauen von ideologisierten Mitmenschen der Sorte, die sich verhalten wie Kinder, die die Hand vor die Augen halten und ‚such mich!‘ rufen. Denn das Problem der Armutseinwanderung besteht und wird bei uns auch in den näheren Zukunft nicht von allein besser werden. Ein Blick in die Zeitung zwischen Wirtschaftsteil und Neuigkeiten aus Nordafrika und von den Mittelmeerinseln genügt.

„Was tun“? spricht Zeus – oder sollte man da unsere ‚großen Großkoalitionäre‘ mal fragen? Jedenfalls helfen weder jammern noch meckern noch wohlmeinende Worthülsen – sondern einfach mal analysieren, wo Arbeitskräfte gebraucht werden und woran es liegt, dass freie Plätze nicht besetzt werden. Wenn ich meine Kollegen frage, warum es keine Köche und keine Kellner gibt, erhalte ich immer dieselben Argumente: entweder es findet sich erst gar niemand – oder es bieten sich Leute an, die überteuert (z.B. Leihköche oder Event-Kellner) und/oder in einer rechtlichen Grauzone operieren. Und weiter:

  • Es gibt kaum Bewerber, die sich eignen: mangelnde Sprachkenntnisse, schlechte Schulbildung, wenig Interesse, keine Disziplin und/oder Manieren, etc.)
  • Zu viele bürokratische Hürden, Vorschriftendickichte, hohe Lohn-,Sozial- und Nebenkosten, keine oder zu teure Wohnungen, um Personal unterzubringen.

Natürlich kenne ich auch die Hauptgründe, die dazu geführt haben, dass wir so wenig qualifizierten Nachwuchs haben: wenig attraktive Arbeitsplätze und –Zeiten, miese Arbeitgeber, geringe Bezahlung, schlechtes Image. Der typische Deutsche erwartet gern mehr als er zu zahlen bereit ist: nicht nur bei Gästen ist das so – auch bei manchen Wirten und Hoteliers. Die oft geschmähte Schnäppchenjagd ist sichtbarer Ausdruck dieser Mentalität.

In der Quintessenz bleibt uns anderen nur die Flucht nach vorn: wir müssen die Ein- oder Zuwanderer aktiv und glaubwürdig willkommen heißen, ihnen unsere Sprache vermitteln, sie vernünftig unterbringen und beruflich qualifizieren. Nur so können wir aus der drohenden Misere eine Win-Win Situation machen. Kaum eine andere Branche kann durch seine Eigenart so schnell und so gründlich Integration schaffen: zum Einstieg genügen ein paar Brocken deutsch, ein freundliches Lächeln, anständige Umgangsformen und eine gute Portion Lernbereitschaft. Das hilft auch ‚im normalen Leben‘ und kann nirgendwo einfacher vermittelt werden. Nur kann man die Vermittlung von diesen Tugenden und Fachwissen nicht auch noch ‚gratis und nebenbei‘ von unseren Wirten und Hoteliers verlangen.

Die Diskussion um Mindestlohn und ständig mehr Verwaltungskram aus Brüssel und Berlin, eine seit Jahrzehnten wenig effiziente Berufsschulorganisation und wachsende Kriminalität hält die Kollegen ohnehin schon in Atem. Überproportional wachsende Kosten für Energie, Material und Dienstleistungen, alle möglichen Abgaben, Bettensteuern und hohe Mieten lassen keinen Spielraum für soziale Wohltaten und Integration, wenn die Kosten dafür nicht fair geteilt werden.  

Was wir brauchen sind:

  • Ein Fahrplan für Integration von Ein- und Zuwanderern durch sprachliche, kulturelle und berufliche Qualifikation.
  • Die Beteiligung von Politik (Bund und Länder), von beruflichen Institutionen (IHK, Agentur für Arbeit, IHA - DEHOGA, NGG, etc.) Handel und Industrie inklusive der KfW – bis hin zu ausgesuchten Sponsoren aus der Zuliefererindustrie.
  • Engagierte Hotel- und Gastro- Unternehmer, Hotelfachschulen, Investoren.

Wenn ich als Hotel- und Gastro-Unternehmer die Möglichkeit hätte, Arbeitskräfte (möglichst schon im Ausland) zu interessieren oder gar zu rekrutieren, ihnen Sprachkenntnisse zu vermitteln, so dass sie sich in Deutschland zumindest orientieren und eine Ausbildung beginnen könnten, bräuchte ich auch noch eine erschwingliche Unterbringungsmöglichkeit. Diese müsste durch Investoren und kommunal geförderte Maßnahmen geschaffen werden; eine Beteiligung der Arbeitgeber und Bewohner müsste eine solche Investition zumindest kostendeckend gestalten können. Die weitere Ausbildung kann sowohl im Betrieb als auch durch die Berufsschulen erfolgen, die allerdings zusätzliche Deutsch- und Fach- Kurse anbieten müssten. Als Nebeneffekt würde es die Bedeutung und die Wertigkeit der Berufsschulen aufwerten – allerdings halt auch nicht zum Nulltarif.

Sollten wir diese Maßnahmen erfolgreich durchführen, hätten wir am Ende nicht nur ein Mitarbeiterproblem unserer Branche gelindert, sondern auch ein gutes Stück soziale Integration geschaffen. Selbst wenn die Hälfte der ausgebildeten Mitarbeiter irgendwann in andere Branchen wechseln oder später sogar in ihre Herkunftsländer  zurückkehrten, wäre das allemal besser, als nicht arbeitsfähigen oder – willigen Zuwanderern Hartz IV und sonstige Sozialleistungen zu verabreichen. Wir dürfen sie nicht zu Abhängigen machen, ihre Würde nehmen und ins kriminelle Umfeld absacken lassen. So würden wir zwangsläufig soziale Spannungen mit Einheimischen aufbauen - von (rechts-) radikalen Auswirkungen und den damit verbundenen Schäden an unserem Image und der Wirtschaft  mal ganz abgesehen.

Wahrscheinlich gibt es noch andere, noch bessere Ideen – aber die Zeit läuft uns weg und es ist allemal besser, zu handeln als zu lamentieren und abzuwarten, ob sich das Problem vielleicht von allein löst. ‚Es gibt nichts Gutes – außer man tut es‘ – statt Maulhelden brauchen wir unternehmerisches Denken und Handeln - in Politik und Wirtschaft (inklusive „Gast“-Wirtschaft).

Bierwirth & Kluth Hotel Management GmbH  |  Bahnhofstraße 67  |  D-65185 Wiesbaden  |  info@bierwirth-kluth.de  |  Telefon: +49 (0)611 447600-0

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